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Geschichte Volkstheater Axams

Es gibt leider keine schriftlichen Aufzeichnungen oder eine Chronik über die Geschichte des Volkstheater Axams. Der Größte Teil unseres Wissens stammt aus dem Buch „Die Schaubühne“, das von Dr. Dörrer über Anregung von Anton Hörtnagl (Leidl Todl) 1954 herausgebracht wurde. Prof. Dörrer hat darin vieles über die Geschichte des Schauspiels in Tirol, ins besonders über die von Axams festgehalten. Die Vorgeschichte des Axamer Volksschauspiels liegt wohl in den sogenannten Figuralprozessionen, welche an etlichen kirchlichen Sonderfesten üblich waren. Bereits 1613 wird eine "Spieltenne" in Axams erwähnt. Prälat Dominikus Löhr von Wilten trug in seinen Kalender-Ausgaben für einen Besuch der Axamer Aufführung des Spiels vom "Letzten Gericht und vom Antichrist" (von den Letzten vier Dingen) am Pfingstmontag 1651 ein. Von diesem Spiel hat sich keine Handschrift ausfindig machen lassen. Der abgeklärte Absolutismus unterband weitere Aufführungen der religiösen Spiele und so übersiedelte man vom Freien in Hinterhöfen und Gasthaussälen. Es wurden von den Axamern z.B. folgende Spiele zur Aufführung: gebracht: „Hl. Eustachius“ (1766), „Rosenkranzspiel“ (1767), „Hl. Wilgefortis (Kümmernis)“ (1768 und 1796), „Hl.Kunigunde“ (1769), „Hl. Genovefa“ (1790) „Hl. Griseldis“, „Hl.Notburga“, „Angelin und Angelone“, „Die Siebenschläferin“,„Das Gnadenbild von Kronburg in Tyrol bei Imst“.

Im Jahre 1788 ging sogar eine Polizeianzeige ein, dass in den hiesigen Gegenden, besonders bei Axams, immer wieder Komödien gespielt werden und sich diese sogar immer mehr ausbreiten.

Im Jahre 1812 wurde mit allergnädigster Erlaubnis des königlich-bayrischen Landgerichtes (Tirol gehörte 1809 – 1814 zum Königreich Bayern) das Passionsspiel zehnmal aufgeführt. Außerdem werden beim „Axamer Josefnspiel“ bis heute die Hirtenstäbe vom Passionsspiel 1812 verwendet.

Die bei den Aufführungen des Passionsspieles verwendete Dornenkrone wurde in der Baderbühelkapelle in Axams verwahrt. Die letzten Aufführungen der Passionsspiele sind uns aus den Jahren 1957/58 unter der Spielleitung von Alois Zorn bekannt. Auch davon gibt es keine Textbücher mehr.

Mit den Einnahmen des Josefnspiels von 1918 wurde im Jahr 1919 von der Theatergesellschaft bei der Axamer Kirche das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges errichtet.

Im 19. Jahrhundert wurden dann allmählich weltliche Spiele zur Aufführung gebracht. Waren es ursprünglich Ritterschauspiele die bis in die Mitte des 20. Jhd. dargebracht wurden, kamen auch bald Wildererstücke und Bauernschwänke auf die Bühne.

Ein großes Anliegen des Volkstheaters waren die von dem 1867 in Axams geborenen und 1943 in Wien verstorben Dramatikers Karl Schönherr. Besonders die Stücke, deren Inhalt in der ländlichen Bevölkerung spielt und auf seine Tiroler Wurzel gründen, wurden zu besonderen Anlässen und Jubiläen aufgeführt. Anlässlich des 1. Axamer Heimattages im Jahr 1937 war Karl Schönherr Gast in Axams. Es wurde unter der Spielleitung von Alois Zorn "Volk in Not" dargebracht. Für Karl Schönherr war dies sein letzter Besuch in seiner Heimatgemeinde. In den weitern Jahren standen folgende seiner Dramen auf dem Spielplan: "Volk in Not" (1959 und 1984), "Erde" (1962 und 1987), "Frau Suitner" (1963 und 1993), "Der Weibsteufel" (1966 und 2003), "Karrnerleut" und "Bildschnitzer" (1973), "Der Judas von Tirol" (1977 und 2009),
"Glaube und Heimat" (1998), "Karrnerleut" und "Kindertragödie" (2007).

Folgende weitere Stücke mit ernsten Hintergrund aus den letzten Jahren seien hier noch aufgezählt: "Der Totentanz" (1970 ‑ in unserer Pfarrkirche), "Der G'wissenswurm" (1974), "Straßenblut" (1976 und 2002), "Das Apostelspiel" (1976), "Um Haus und Hof" (1979), „Die g’stohlenen Jahre“ (1982), "Der dürre Baum" (1986), "Die Räuber am Glockenhof" (1990), „Der B’suff“ (1995) „Die geputzten Schuhe“ (1996), „Das höchste Gebot“ (2001), „Kreuzwechsel“ (2005).

Da wir mehrere Spielleiter haben, ist es uns möglich, jedes Jahr zwei Theaterstücke zu spielen, neben den bisher erwähnten, werden natürlich auch Lustspiele, Schwänke und in letzter Zeit ganz besonders Boulevard-Komödien sowie Märchen geboten, die bei unserer Bevölkerung großen Anklang finden.

Neben dem Theaterspielen hat unser Verein die Aufgabe, den Theatersaal zu erhalten und laufend zu renovieren. In den 60iger Jahren wurden größere bauliche Veränderungen vorgenommen. Als am 3. Juli 1971 nach einer Theaterprobe der Bühnentrakt und ein Großteil des Dachstuhls nieder brannte, machte sich der Verein sofort daran, diesen wieder aufzubauen und zu vergrößern. In den Jahren 1971 unter Obmann Adolf Plattner und ab 1972 unter Obmann Josef Zeisler wurde bei schwierigen finanziellen Bedingungen der Brandschaden behoben und um den Kulissenraum erweitert. Josef Zeisler hat außerdem fast alle Bühnenbilder für das Josefnspiel 1973 und 1983 neu geschaffen, die bis heute verwendet werden. Maria Jordan, die Spielleiterin von 1973 nähte bzw. entwarf die ganzen Kostüme neu.

In den letzten Jahren waren im Theatersaal immer wieder große Investitionen notwendig. So wurde unter anderem der Bühnen‑ und der Saalboden erneuert, der Kassenraum und die Fassade renoviert sowie eine Bühnenbeleuchtung und eine Musikanlage installiert. Im Jahr 2001 wurde die Heizung und die Garderobe umgebaut und 2002 der Anschluss an das öffentliche Kanalnetz durchgeführt. Die verschiedenen Arbeiten werden teilweise von unseren Mitgliedern selbst und daher sehr kotengünstig ausgeführt. Die größeren Investitionen und Renovierungsarbeiten finanzieren wir mit unseren Einnahmen aus den Vorstellungen und mit diversen Subventionen durch die Gemeinde Axams.

Gründung des heutigen Theatervereines

Laut mündlicher Überlieferungen wurde 1925 der Theaterverein auf Initiative von Alois Zorn gegründet. Die Gründungsmitglieder waren: Alois Zorn (Zeach), Johann Sarg (Lärchenhof), Franz Nagl (Hiasl‑Tischler), Josef Happ (Jörgl), Franz Mair (Hahn), Alois Mair (Hoadler), Josef Schweighofer (Vikter) und Josef Zorn (Zeach).

Leider konnten wir hierfür bei der Vereinsbehörde keinerlei Bestätigung oder Anmeldedaten ausfindig machen.

Die ersten Daten über unseren Verein und vermerkten Statuten bei der Vereinsbehörde in Innsbruck stammen aus dem Jahre 1947. Als Proponenten scheinen folgende Personen auf: Alois Zorn, Johann Zorn und Josef Braunegger.

1951 wurde folgender Vorstand an die Behörde gemeldet: Obmann Alois Zorn, Schriftführer Johann Zorn und Kassier Josef Braunegger.

Die folgenden Jahre waren von der Tätigkeit von Alois Zorn geprägt, der nicht nur seine ganze Familie „einspannte“, sondern auch verschiedene Ritter-, Weihnachts- oder religiöse Stücke schrieb und inszenierte.

1969 übergab Alois Zorn die Spielleitung an seine Tochter Maria Jordan, die ihm in den letzten Jahren kräftig unterstützte und bereits selbst Regie führte. Gleichzeitung wurde auch Adolf Plattner als Obmann und weitere Vorstandsmitglieder neu gewählt. Eine der ersten Aufgaben waren die Statutenänderungen, denn bisher war es den Frauen nicht möglich ordentliche Mitglieder des Vereines zu werden. Die Vereinsbehörde bestand dabei Bezug auf die Statuten von 1947 zu nehmen, denn ältere Vormerkungen gab es nicht.

1972 Mitten in den Aufbauarbeiten nach dem Brand wurde Josef Zeisler neuer Vereinsobmann.

1977 übergab er aus privaten Gründen den Obmann an seinen bisherigen Stellvertreter Siegfried Gamper und übernahm selbst diese Aufgabe.

Siegfried Gamper lenkte die Geschicke des Vereins bis 2003. Mitten in die Vorbereitungen für das Josefnspiel 2003 traf uns der Tod unseres Obmannes am 1.Jänner 2003 äußerst hart.

Bei der Jahreshauptversammlung am 31. Jänner 2003 wurde sein‚ Sohn Gerhard Gamper neuer Obmann, der seither die die Geschicke des Vereins leitet.

Auf Grund der finanzielle und moralischen Unterstützung beim Wiederaufbau und des Josefnspiels wurden bei der Jahreshauptversammlung am 6.Feber 1974 der Landeshauptmann‑Stellvertreter Dr. Fritz Prior und der Leiter der Kulturabteilung des Landes Tirol, Hofrat Dr. Ernst Eigentler zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ein großer Gönner und Förderer des Volkstheaters war/ist Alt-Bürgermeister Heinrich Apperl der bei der Jahreshauptversammlung am 15. April 1978 ebenfalls zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Anlässlich 400 Jahre Volksschauspiel in Axams und 330 Jahre Josefnspiel wurden am 02.06.2013 Heinz Gatscher und Hans Klotz zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Für besondere Verdienste um das Josefnspiel wurde an Maria Jordan, Heinrich Jordan und Josef Apperl 1983 und 2013 an Heinz Gatscher und Hans Klotz die Verdienstmedaille (Goldmedaille mit einem Ramsesbild aus Email) übergeben.

Mit großer Unterstützung durch die Gemeinde wurde 2011 der Garderobeneingang neu gestaltet, ein Garderoben WC und im Saal 2 Notausgänge neu errichtet.

Mit Freude und Stolz schauen wir auf die 330 Jahre Josefnspiel und 400 Jahre Theatertradition zurück und sind auf Grund des guten Einvernehmens mit der Öffentlichen Hand und dem motivieren Zuspruch durch die Bevölkerung sicher, dass das Theater auch weiterhin tief in den Axamern verwurzelt sein wird.


Heinz Gatscher